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Alice Schaffner

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Spanien

¡Hola! In unserer Weinreisen-Reihe stellen wir Euch die Weinländer dieser Welt vor. Im dritten Teil der Serie kommen wir zu den Big Boys, nämlich Spanien. Nach dem trockenen theoretischen Teil könnt ihr euch mit La Tribu dem feucht(-fröhlich)en Probieren widmen.

Spaniens Anbaufläche ist gigantisch! Fast eine Million Hektar (975.000 ha im Jahr 2016) sind mit Reben bepflanzt. Damit ist es flächenmäßig das größte Anbauland der Welt, vor China, Frankreich und Italien. Um das mal in Relation zu setzen – In Deutschland stehen momentan rund 102.000 ha Reben. Blickt man auf die Produktionsmenge verschiebt sich das Bild ein wenig. Hier liegt Spanien mit rund 40 Millionen Hektolitern (1 hl = 100 Liter) nur auf Platz 3, hinter Italien und Frankreich. Wein wird in allen 17 autonomen Regionen Spaniens angebaut, wobei rund die Hälfte der Rebfläche in Castilla-La-Mancha zu finden ist.

Damit ist dort die größte Konzentration an Reben weltweit. Die autonomen Regionen dürfen jedoch nicht mit den Anbaugebieten verwechselt werden. Diese entwickeln sich in Spanien recht dynamisch,
sodass jedes Jahr neue dazukommen. Momentan gibt es 69 D.O.- und 2 D.O.Ca.-Gebiete. Die bekanntesten davon sind Rioja, Ribera del Duero und Priorat. Neben der Klassifikation nach Anbaugebieten werden Spanische Weine auch nach Reifestufen unterschieden. Hier gibt es Crianza, Reserva und Gran Reserva. Möchte ein Wein eines dieser Prädikate tragen, so muss er zunächst eine vorgeschrieben Zeit im Holzfass (max. 600 L) und anschließend noch in der Flasche reifen. Dadurch sind Spanische Weine häufig schon beim Kauf trinkreif, was sicherlich auch ihre Beliebtheit zumindest teilweise erklärt.

F A K T E N
Anbaufläche: 975.000 ha
Anteil an der gl. Rebfläche: 13,4 %
Weinproduktion: 40.000.000 Liter
Anteil Rotwein: 51,1 %
Weinkonsum p.K.: 18,4 Liter
Reifezeiten:
Crianza: 6-12 Monate im Holzfass + 12-18 Monate auf der Flasche
Reservat: 36 Monate Gesamtreife, davon mindestes 12 Monate im Barriquefass (225l)
Gran Reserve: 60 Monate reife gesamt, davon mindestens 24 Monate im Barrique

Wenn ihr jetzt Durst habt und zumindest einen Teil der 40.000.000 Liter in euren Gläsern wissen möchtet, dann stöbert in unserem spanischen Teil des Weinregals.

Iris Führ

Iris Führ ist Oberlandwirtschaftsrätin und erzählt uns von der naturwissenschaftlichen Seite des Weinbaus. Zum Glück hat sie sich damals nicht abschrecken lassen, als man ihr sagte, wenn sie etwas Richtung Weinbau machen wolle, sollte sie doch am besten einen Winzer heiraten. Sie ist die Frau, mit dem akademischsten Hintergrund in unserer Feinherber Feminismus-Reihe und trotzdem ist der Wein für sie nicht nur ein wissenschaftliches Forschungsfeld, sondern ein Schlüssel zum Leben.

Wer bist du?
Ich bin Iris Führ. Ich bin gebürtig aus Mandel und ich arbeite in Bad Kreuznach am Dienstleistungszentrum ländlicher Raum. Ich bin Oberlandwirtschaftsrätin und wohne mit meiner Familie wieder in meinem Heimatort, wo ich eigentlich herkomme. Ich stamme aus einem Weingut und bin nach einer längeren Zeit in Neustadt, in der Pfalz wieder in meine alte Heimat gekommen.

Wie war das früher, als du die Entscheidung getroffen hast, dass du einen Beruf im Weinbau finden möchtest?
Ich bin in einem Weingut groß geworden. Als älteste Tochter war eigentlich klar, dass der jüngere Bruder den Betrieb übernimmt und dass meine Schwester und ich uns einen Beruf suchen. Nach dem Abitur war dann die Frage, was tun. Und ich wollte gerne in Richtung Naturwissenschaft und Weinbau gehen. Habe dann aber auch mal zusammen mit meinem Vater nachgefragt an der Weinbauschule damals und bekam doch tatsächlich die Antwort: „Am besten wär’s, wenn das Mädsche e Winzer heirate würd.“
Das habe ich aber nicht gemacht, sondern habe dann meinen Weg gesucht. Habe studiert an drei verschiedenen Hochschulen, in Bonn, in Hohenheim und in Geisenheim.

Welche ist deine liebste Rebsorte?
Meine liebste Rebsorte ist Riesling. Ich bin aufgewachsen in der Zeit, als der Müller-Thurgau ganz groß war. Das war auch so die Lieblingsrebsorte meines Vaters, aber ich habe im Laufe des Studiums – ich war ja im Rheingau und auch in der Pfalz – den Riesling schätzen gelernt. Und finde diese alte, traditionelle, deutsche Rebsorte immer noch sehr spannend. Und auch die neuen Weine, die daraus entstehen. Wenn ich mir Wein bestelle, frage ich immer erstmal nach einem Riesling, halbtrocken oder trocken.

Wenn du deinen liebsten Wein mit drei Worten beschreiben würdest, welche wären das?
Stark, edel und rein.

Du bist in der Lehre tätig. Welche sind deine Fachgebiete?
Meine Fachgebiete liegen im Bereich des Weinbaus, also nicht im Bereich der Kellerwirtschaft und des Ausbaus, sondern in der Weinproduktion. Ich interessiere mich für das, was im Weinberg passiert und ich berate auch ganz konkret in Richtung Pflanzenschutz, also Schädlinge, Krankheiten und deren Bekämpfung in Richtung umweltschonende, integrierte Anbauweise.

Wie sieht da dein Arbeitsalltag aus?
Es gibt keinen ganz normalen Tag, denn jeder Tag hat seine eigenen Anforderungen. Wenn es an den Unterricht geht, geht es um die Vorbereitung. Da versuche ich wirklich aktuelle Themen mit reinzubringen. Dann bringe ich Beispiele aus dem Weinberg mit. Die hole ich dann gerne in der Natur. Sammle sie vorher. Da versuche ich einen aktuellen Bezug herzustellen.
Wenn es an die Beratung geht, dann sind es häufiger Vorträge oder Seminare, wo ein bestimmtes Thema zu bearbeiten ist. Und da muss man sich dann ganz gezielt vorbereiten und auf die Gruppe einstellen. Das Spannende dabei ist, dass man sehr viel mit Leuten zu tun hat und sich immer wieder auf die Bezugsgruppe einstellt. Auf die Schüler, auf die einzelnen Persönlichkeiten, die ja ihren Weg gehen wollen. Das macht mir im Moment am meisten Spaß, weil ich sehe, wie jeder junge Mensch in seinen Beruf reingeht. Und da ist der Wein wirklich ein ganz spannendes Thema, denn der Beruf des Winzers ist unglaublich vielseitig. Und das färbt auch auf meinen Beruf ab. Und das macht mir Spaß!

Gibt es Vorurteile gegenüber weiblichen Lehrkräften? Wirst du beispielsweise in deiner Arbeit unterschätzt, weil du eine Frau bist?
Das ist mir in der Anfangszeit häufig passiert. Ich habe ja schon 1984 angefangen, das ist eine Weile her. Und damals war es noch nicht so ganz üblich, dass junge Frauen in dem Beruf tätig waren. Und da musste ich mich ganz gewaltig durchsetzen. Habe ich den Eindruck. Das hat mich auch viel Kraft gekostet. Intensive Vorbereitung auf den Unterricht und auch auf die Beratung vor allen Dingen. Das ist heute ganz anders. Also heute sehe ich keine Vorurteile mehr, im Gegenteil!
Gerade gestern Abend habe ich einen Seminarvortrag gehalten vor hauptsächlich männlichem Publikum. Und da merke ich überhaupt keine Probleme oder Vorurteile mehr.

Inwieweit wären die Anforderungen an dich und deine Arbeit andere, wärst du ein Mann?
Ich denke, das hat mit Frau und Mann wenig zu tun, sondern mit der Persönlichkeit an sich. Ich muss schon zugeben, dass ich eher der introvertierte Typ bin und nicht so unbedingt auf andere zugehe. Führungspersönlichkeiten können Frauen sein, es können Männer sein. Ich bin lieber jemand, der in der zweiten Reihe arbeitet und anderen zuarbeitet, auch in der Forschung. Zusammenarbeiten mit Kollegen aus der Forschung ist auch immer sehr spannend. Ich stehe nicht so gerne in erster Reihe, das gebe ich ehrlich zu. Hat aber mit Frau oder Mann eigentlich wenig zu tun. Sondern mit der Persönlichkeit.

Wo sind wir hier gerade, während wir das Interview führen?
Wir stehen jetzt oberhalb von Mandel und schauen hier auf das Dorf, auf die evangelische Kirche. Ich mache oft Rundgänge durch die Gemarkung, um zu schauen, wie der Entwicklungsstand der Reben ist, wie weit Schädlinge und Krankheiten sind, was es hier zu tun gibt, was die Winzer arbeiten momentan. Und dann mache ich gerne Rast am Wingertshäuschen, oberhalb von Mandel. Und habe dann diesen schönen Blick über meine Heimat, über das ganze Land bis zum Lemberg. Hier mache ich oft Pause und denke dann darüber nach, was es zu tun gilt.

Was machst du, wenn du draußen durch die Weinberge gehst?
Wenn ich durch die Weinberge gehe, schaue ich mir den Entwicklungsstand der Reben an und mache dann Vergleiche zu anderen Standorten im Gebiet. Ich schaue mir an, ob da Krankheiten oder Schädlinge vorkommen. Ich sehe zum Beispiel den Entwicklungsstand der Pilzkrankheiten. Ich mache ein Monitoring. Ich kontrolliere den Traubenwickler. Ich habe Pheromonfallen im Gebiet hängen. Ich kontrolliere die Kirschessigfliege. Und stelle diese Daten dann ins Internet ein. Die stehen dann der Allgemeinheit zur Verfügung.

Was bedeutet Wein für dich?
Wein und Weinbau ist für mich ein wichtiger Schlüssel für das Leben. Denn im Leben geht es darum, dass man das Leben lebt und das Leben kennenlernt. Und der Wein ist ein Schlüssel dazu. Alle Bereiche des Lebens kann man sich durch den Wein erschließen. Es ist ein sehr spannender Beruf, der einem Einblicke gibt in verschiedene Berufsfelder gibt und all die Menschen, die man dabei kennenlernt. Sodass wirklich gilt: in vite vita. Oder ein anderer Spruch, der mir wichtig ist: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Aus der Bibel. Da ist wirklich was dran, weil der Wein einem das Leben erschließt, alle Bereiche.

Iris, danke für die spannenden Einblicke in eine der naturwissenschaftlichen Seiten des Weins! Falls ihr Weine aus Mandel und aus den Weinbergen rund um das Wingertshäuschen probieren möchtet: Iris ist die Schwester von Marcus und Tante von Carl Baumberger. Die Weine vom Weingut Baumberger findet ihr HIER.

Frankreich

In unserer Weinreisen-Reihe stellen wir Euch jeden Monat ein Weinland dieser Welt vor. Cette fois: la France. Nach dem trockenen theoretischen Teil könnt ihr euch mit dem Frankreich-Paket dem feucht(-fröhlich)en Probieren widmen.

Die Franzosen bewirtschaften etwa 786.000 ha. Das macht Frankreich zum flächenmäßig drittgrößten Weinland der Welt nach Spanien und China. Allein die Anbaufläche von Bordeaux ist mit 120.000 ha größer als alle deutschen Anbaugebiete zusammen.

Das Terroir spielt in Frankreich eine besonders große Rolle. Man soll Herkunft, Boden und Klima schmecken können.

Die Franzosen sind Meister der Profilierung: Champagner, Bordeaux, Chablis, Pouilly Fumé. All das sind Bezeichnungen, die eigentlich erstmal nur Aufschluss über die Regionen geben, aus denen der Wein stammt. Sie funktionieren aber alle auch als Namen für eine bestimmte Weinart. Anders als in Deutschland, wo auf den meisten Preislisten ein buntes Rebsorten-Treiben herrscht, spezialisieren sich die verschiedenen Weinregionen Frankreichs auf bestimmte Rebsorten und Ausbaustile. Trinkt man einen Chablis, beschreibt man mit der Aussage nicht nur die Herkunft, sondern gleich auch die Rebsorte: Chardonnay. Bordeaux-Weine sind Rotwein-Cuvées, meist aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Trinkt man einen Pouilly Fumé, heißt das: es ist ein Sauvignon Blanc, obwohl es eigentlich ein Herkunftsgebiet an der Loire ist, das sich aus dem Namen der Stadt Pouilly-sur-Loire und dem Wort fumé (franz. für geräuchert, eine Anspielung auf Feuersteinaromen im Bouquet) zusammensetzt. Die größte Erfolgsgeschichte in der Wein-Profilierung ist der Champagner.

Auf dem Weltmarkt funktioniert das super. Französische Weine und Herkunftsbezeichnungen sind Marken. Obwohl der Anteil Frankreichs am Weltweinmarkt in Bezug auf die Menge nur 20% beträgt, ist der Anteil in Bezug auf den Umsatz bei 25%.

Auf den Etiketten findet ihr häufig für euch kryptische Buchstaben-Kombinationen, die etwas über die Qualität des Weins sagen (sollen). Die französische Qualitätspyramide baut sich von unten nach oben folgendermaßen auf:
Weine ohne Herkunftsangabe: Vin de France (früher Vin de Table), Weine mit geschützter geografischer Angabe: IGP – Indication Géographique Protégée (früher Vin de Pays) und Weine mit geschützter Herkunftsbezeichnung: AOP – Appellation d’Origine Protégée (früher AOC – Appellation d’Origine Contrôlée.

Aber egal ob Vin de France, IGP oder AOP – à votre santé mit dem Frankreich-Paket!

F A K T E N
Anbaufläche: 786.000 ha
– rote Trauben: etwa 75% / 604.500 ha
Weinbaubetriebe: ca. 144.000
Weinproduktion: 47.500.000 hl
Weinexport: 14.000.000 hl

Weinkonsum p.K. inkl. Sekt: 41,6 Liter l/a
Durchschnittspreis Wein/Liter: 4,26€
Meist angebaute Rebsorten:
1. Merlot – 112.000 ha / 13,9 %
2. Ugni Blanc – 82.000 ha / 10,2 %
3. Grenache Noir – 81.000 ha / 10,0 %

Sangria

Hört man den Begriff SANGRIA, denkt man leider erstmal an Plastikeimer, lange Strohhalme und Kopfschmerzen. Das ist extrem schade, denn wie fast jedes alkoholische Getränk gibt es auch dieses in lecker. Im Kern ist Sangria erstmal eine Art Bowle aus Wein und Obst plus X. Rezepte gibt es wahrscheinlich genauso viele, wie Sandkörner an der spanischen Küste, sodass für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei ist. Wir haben für euch einige davon ausgesucht, mit denen ihr gut durch den Sommer kommt. Die passenden Weine bekommt ihr natürlich bei uns im Shop. Und immer dran denken – Sangria ist immer nur so gut wie die schlechteste Zutat.

THAI-BASILIKUM-SANGRIA

ZUM REZEPT
ZUM PASSENDEN WEIN

FROZEN SANGRIA

ZUM REZEPT
ZUM PASSENDEN WEIN

FRUCHTIGE ROSÉ SANGRIA

ZUM REZEPT
ZUM PASSENDEN WEIN

Ann-Kathrin Krebs

Ann-Kathrin Müller hat gerade geheiratet und heißt jetzt Krebs. Jetzt stimmt zwar der Titel nicht mehr, aber welch Grund zur Freude! Ann-Kathrin Krebs hat eines Tages festgestellt, dass sie nicht in dem Bereich arbeitet, der sie am meisten fasziniert. Und dann wurde gehandelt. Jetzt ist es ihr Job, vom Wein zu schwärmen. Und ihr dabei zuzuhören, ist eine wahre Freude. So klingt es, wenn eine Frau genau den Beruf gefunden hat, der sie erfüllt. Über Schießpulver, das Arbeiten mit Menschen, die unter Alkoholeinfluss stehen, den weniger philosophischen Charakter von Korn und die romantischen Geschichten, die das Leben schreibt.

Wer bist du?
Mein Name ist Ann-Kathrin Krebs, ich bin mittlerweile 34 Jahre alt. Komme ursprünglich aus einem Dorf bei Stade in Niedersachen und wohne jetzt in Freinsheim.

Wie ist deine Verbindung zum Wein?
Ganz intensiv. Ich arbeite im Weingut meines Partners. Bin da völlig involviert, habe jeden Tag damit zu tun. Und liebe es jeden Tag, den Umgang mit Wein.
Meine Verbindung ist Emotionalität. Weil ich glaube, man kann über Wein ganz viel von den Menschen erfahren und aus ihnen rausbekommen und auf ganz anderer Ebene über’s Leben philosophieren. Das macht irgendwie nur der Wein. Das habe ich in Norddeutschland bei Korn und Bier nicht so erlebt.

Welche Rebsorte ist deine liebste?
Meine Lieblingsrebsorte, das hat sich im Laufe der Zeit etwas gewandelt, weil ich mit ganz schlimmem Spätburgunder groß geworden bin und habe dann Gott sei dank irgendwann gelernt, dass es ganz, ganz andere, ganz tolle Stile gibt. Und ich bin da absolut im Burgund. Das ist wirklich was ganz tolles. Und auch die deutschen Spätburgunder sind inzwischen traumhaft. Spätburgunder könnte ich immer trinken. Ganz, ganz lecker und toll!

Mit welchen drei Wörtern würdest du deinen Lieblingswein beschreiben?
Mein Lieblingswein schmeckt nach Schießpulver, stinkt und ist ein Spätburgunder.

Du bist nicht in die Weinwelt hineingeboren. Wie kommt es, dass du jetzt Teil von ihr bist?
Es ist ja noch erstaunlicher aufgrund der Tatsache, dass ich Norddeutsche bin. Das liegt ja dann auch nicht so nahe. Aber ich hatte schon sehr früh Weinkontakte – familienbedingt. Meine Großmutter ist aus dem Schwäbischen, aus einem Weinort, Gundelsheim am Neckar. Da waren wir oft mit der Familie und haben Spaziergänge durch die Weinberge gemacht – das war wundervoll! Und dann hat es mich irgendwann gepackt. Ich habe viel gelesen, Messen, Seminare besucht. Also habe mich hobbymäßig sehr dem Wein verschrieben. Und habe dann irgendwann Schritt für Schritt Passion zur Profession gemacht. Und bin jetzt heute im Weingut Krebs. Das hätte nie jemand für möglich gehalten.

Und gab es einen bestimmten Moment, in dem du dachtest: „Okay, der Wein und ich, wir gehören einfach zusammen!“?
Der Moment, in dem ich wusste, dass der Wein und ich zusammengehören, war 2012 auf einer Party in Braunschweig. Ich stehe in der Küche mit ein paar Leuten zusammen und es geht um das Thema Wein und irgendwann halte ich einen Monolog und alle hören ganz angetan zu. Und dann sagt einer zu mir: „Glaubst du eigentlich, dass du den richtigen Job hast? Dass du in der richtigen Branche bist?“. Gut, damals war ich Trainerin für Volkswagen-IT-Software. Damals wusste ich schon, dass es nicht für ewig sein wird. Das war aber dann der Anlass, zu sagen: Vielleicht doch die Weinbranche und dann ging das so langsam los.

Wie ist dein weiterer Weg in der Weinbranche abgelaufen?
Ich habe mich dann als Quereinsteigerin absolut blauäugig, initiativ beim Weinkeller der BASF beworben und die waren dann so bekloppt und haben mich echt genommen. Ohne dass ich ja irgendwas an Papieren hatte. Kein Geisenheim, keine Winzerausbildung, keine Gastronomie. Und das waren wirklich zwei tolle Jahre, in denen man viel gelernt hat. Offensichtlich konnte ich anderes einbringen, was die gut fanden. Und dann ging es immer weiter. In der Zeit habe ich dann auch Jürgen kennengelernt und dann war irgendwann klar, die brauchen Unterstützung im Weingut und jetzt bin ich seit knapp über einem Jahr im Weingut Krebs.

Wie sieht ein klassischer Tag als Mitglied des Team Krebs aus?
Ein klassischer Tag im Weingut Krebs, den gibt es gar nicht. Jeder Tag ist anders. Das ergibt sich aufgrund der Aufgaben, die anstehen. Im besten Fall fange ich mit E-Mails an und gucke, was irgendwie anliegt, arbeite Bestellungen ab und beantworte Fragen, mache Speditionsaufträge. Dann ist ab 10 Uhr Kundenverkehr. Ich nehme Telefonate an, mache den Weinverkauf. Dann fällt den Männern plötzlich ein, sie brauchen etwas für den Kellereibedarf und man fährt schnell los oder fährt Wein aus. Es wiederholt sich alles immer wieder, aber man weiß nie, wann. Es ist jeden Tag anders und deshalb auch so schön abwechslungsreich.

Hast du Erfahrungen gemacht, die nur Frauen in deiner Position machen würden?
In meiner Position habe ich keine Erfahrungen gemacht, die nur Frauen machen würden, weil ich vielleicht nicht den „klassischen Männerberuf“ in der Weinbranche ausübe. Wäre ich jetzt im Keller verantwortlich oder würde als Mädel den Außenbetrieb bestreiten, dann wäre das vielleicht etwas anderes. Aber ich mache Büro, Verkauf – da ist mir sowas noch nicht entgegen gekommen. Da erwartet auch keiner handwerkliches Geschick. Da habe ich jetzt keine Erfahrungen gemacht.
Ich meine, das ist ja eine Branche, in der Menschen auch unter Umständen unter Alkoholeinfluss stehen, je nach Festivität , trallala. Dass man da mal irgendwie von der Seite abgebaggert wird, ich glaube, das ist normal. Das passiert aber auch einem Mann in der Probierstube beim Weinverkauf. Deswegen kein klassisches Frauenthema.

Und inwieweit wären die Erwartungen an dich und deine Aufgaben andere, wärst du ein Mann?
Dann sollte ich im besten Fall wahrscheinlich ganz toll Gabelstapler und Trecker fahren können. Kann ich eher semigut, war aber auch kein Anforderungskriterium. Ansonsten bin ich schon Fan davon, dass man sich ein bisschen von den klassischen Männer- und Frauenaufgaben verabschiedet. Das einzige, wo wir im Zweifel benachteiligt sind, ist vielleicht die Anatomie, dass man da unter Umständen vielleicht noch ein bisschen unterlegen ist, wenn es auf Kraft geht. Jetzt ist die landwirtschaftliche Branche natürlich immer noch ein bisschen so geprägt, dass den Männern schon etwas Handwerkliches zugetraut wird, es wird erwartet oder sehr stark erwünscht. Bei den Frauen ist man dann vielleicht eher überrascht und dann fällt dann hoffentlich eher ein Lob als alles andere.

Haben sich deine Erwartungen als Quereinsteigerin erfüllt?
Ich glaube, dadurch dass ich schon immer sehr nah am Menschen war. Also zu dem Zeitpunkt, als ich das ganze hobbymäßig betrieben habe und ich versucht habe, mich mit den Menschen zu unterhalten, glaube ich, dass meine Erwartungen an die Branche sehr realistisch waren. Es gab keinen Tag, an dem ich dachte: „Mein Gott, das habe ich mir ganz anders vorgestellt“. Oder „Warum hast du das eigentlich gemacht?“ – also das in Frage, in Zweifel gestellt. Das überhaupt nicht. Deshalb bin ich jeden Tag wieder froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Weil ich auch eine Komfortzone wirklich verlassen habe mit Volkswagen. Das auf der einen Seite, wo viele gesagt haben, das sei aber mutig, das würden sie jetzt nicht machen. Ich hab’s aber gemacht: Ich habe Hobby zum Beruf gemacht. Und einen Traumberuf erwischt. Also alles super.

Würdest du sagen, du fühlst dich voll und ganz in der Weinwelt angekommen?
Ja, das macht vor allem der Anschluss über die Familie. Ich könnte jetzt auch als Angestellte in einer Vinothek arbeiten. Aber das wäre etwas ganz anderes. Das Herz hängt im besten Fall noch ein bisschen mehr daran. Ich bin da wirklich motiviert und will ja auch eine tolle Außenwirkung und mir macht das wirklich Spaß, die Leute zum Wein zu bringen und sie zu begeistern. Wirklich etwas für das Familienweingut zu geben.

Wohin führst du uns heute?
Wir fahren in die Lage Herxheimer Himmelreich. Dort wachsen Riesling und Spätburgunder. Die Lage ist sehr kalksteingeprägt. Herxheim ist ein Nachbarort von Freinsheim [Anmerkung Geile Weine: Hier sitzt das Weingut Krebs]. Die Lage ist mit einem sehr, sehr schönen Blick über die Rheinebene verbunden. Man kann auf Freinsheim gucken, man kann bei guter Sicht bis zum Odenwald schauen. Meine Verbindung zu der Lage spiegelt so ein bisschen das Kennenlernen mit Jürgen wieder. Als wir dann viel hin und her geschrieben haben, ging es immer wieder um die Lage Himmelreich. Kriegt das Weingut Krebs etwas von der Lage oder nicht? Und er war sehr motiviert und ich habe immer mitgefiebert. Und dann wurde es was und die erste Flasche, die vom Band lief, die gebührte mir. Und ganz witzig ist auch, dass es schon einmal eine Lage Himmelreich in meinem Leben gab, mit der ich ganz früh in Kontakt kam. Das ist das Gundelsheimer Himmelreich. Also dass ich irgendwann mal zwei so lieb gewinnen würde, hätte ich auch nicht gedacht.

Vielen Dank, dass wir dich in Freinsheim besuchen durften, Ann-Kathrin. HIER könnt ihr die Weine vom Weingut Krebs probieren.

Gin Tonic Coffee

Der Drink für lange heiße Nächte!

Diese Mischung ist wirklich genau nach unserem Geschmack: koffeinhaltig und hochprozentig! Gin Tonic Coffee hat nicht nur zwei erquickende Nebeneffekte, sondern schmeckt einfach grandios lecker.

Nachdem uns lycka mit einer Ration Cold Brew Kaffee versorgt hat, wurde der Kaffee nicht nur zur kühlenden Erfrischung an 30 Grad-Arbeitstagen, sondern auch zum Feierabend-Begleiter. Der Cold Brew Kaffee ist mit Kokosblütenzucker gesüßt und das spielt wunderbar mit den Zitrusaromen des Tonic Waters. Das Bittere macht den Drink erfrischend und nicht klebrig. Ein wenig Zitronenzeste dazu und das Ding ist rund!

Hier unser liebstes Mischverhältnis:

4 cl Muscatel Gin
10 cl Tonic Water
2 cl Cold Brew Kaffee

Solange der Vorrat reicht, schenken wir euch zu jedem Gin Tonic Coffee-Paket vier Fläschchen lycka Cold Brew Kaffee! Das Paket mit allen Zutaten gibt es HIER.

Eiswürfel in ein Highball-Glas füllen. 4 cl Gin und Tonic Water hinzugeben und verrühren. Cold Brew Kaffee darübergießen, Zitronenzeste dazulegen und servieren.

Juliane Eller

Für Juliane Eller war Winzerin nicht schon immer der absolute Traumberuf. Die Entscheidung, dass sie in den Familienbetrieb in Alsheim einsteigen und sich dort verwirklichen möchte, kam erst nach einem Praktikum, in dem sie festgestellt hat, dass Wein-Machen auch anders geht. Sie weiß, was sie für ihre Juwel-Weine will und was dabei rauskommt, gefällt uns sehr. Wir haben Juliane in ihrem Weingut besucht und ihr einige Fragen zum jungen Winzerinnen-Dasein gestellt.

Wer bist du?
Hey, ich bin Juliane. Ich bin 27 Jahre alt und Winzerin im Weingut meiner Eltern, das Weingut Eller in Alsheim. Das ist jetzt schon mein fünfter Jahrgang. Ich bin vor fünf Jahren zuhause eingestiegen nach drei Jahren Bachelor-Studium in Geisenheim. Ich habe meine eigene Linie Juwel-Weine gegründet. Und jetzt geht’s los.

Was ist deine Verbindung zum Wein?
Ich bin hier aufgewachsen. Unser Weingut gibt es hier in Alsheim seit 25 Jahren. Und klar, wenn man damit aufwächst, ist man einfach super verwurzelt. So war das früher jeden Samstag: alle durften ins Schwimmbad und wir mussten schön raus mit in den Wingert. So war das Weingut für mich mit viel Arbeit verbunden. Und deshalb habe ich mich auch am Anfang gefragt: „Ist das wirklich das Richtige? Will ich das auch so machen?“ Ich wusste, ich will etwas Geregeltes. Und dann habe ich aber ein Praktikum gemacht und die haben mich dann mit dem Weinbauvirus infiziert. Und ich habe das Ganze von einer ganz anderen Seite kennengelernt.
Ich hatte großes Glück, dass meine Eltern mitziehen. Da kommt das 23-jährige Töchterchen und will von heute auf morgen alles umkrempeln. Und das ist ja auch ein wahnsinniges Vertrauen, das einem da entgegen gebracht werden muss. Und das haben sie gemacht. Sie stehen zu 500% hinter mir, die ganze Family. Und das macht super viel Spaß, weil man einfach sieht, was so passiert. Man sieht, was du machst und wofür du arbeitest.

Welche Rebsorte ist deine liebste?
Natürlich hier in Rheinhessen: der Riesling. Das ist die Rebsorte, mit der ich als erstes zu tun hatte, wo ich direkt meine Freude gefunden habe. Außerdem steht die Rebsorte so sehr für Deutschland. Was ich aber auch sagen muss: Weißburgunder. Wir haben super geile Parzellen hier in Alsheim, mega Potential, was Klima und Böden angeht. Und deshalb kann man da so viel spielen. Wir haben ganz tolle alte Stöcke. Und deshalb auch definitiv der Weißburgunder.

Wenn du deinen absoluten Lieblingswein mit drei Kriterien beschreiben müsstest, welche wären das?
Ich brauche vier: elegant, Zug und Druck und enorm viel Trinkfluss.

Wo führst du uns heute hin?
Einer meiner Lieblingsorte ist der Elisabethen-See in Eich. Das ist mitten in der Natur. Da ist es einfach super ruhig. Du setzt dich einfach auf den Steg, schenkst dir ein gut gekühltes Glas Riesling oder auch Weißburgunder ein. Guckst einfach so ins Weite und entspannst und lässt die Seele baumeln.

Juliane, vier Jahre ist es schon her, dass du deine ersten eigenen Weine abgefüllt hast. Für all diejenigen, die deine Geschichte noch nicht kennen: Wie kamst du zu der Entscheidung, zurück in den Familienbetrieb zu gehen und eine eigene Weinlinie zu produzieren?
Vor vier Jahren bin ich zuhause eingestiegen. Ich bin gerade selbst überrascht, wie die Zeit rennt, völlig abgefahren! Da habe ich meine Weinlinie Juwel-Weine gegründet. Das ist eine Kombination aus meinem Vornamen Juliane, dem Nachnamen Eller und dem „W“ für Weine, Juliane Eller Weine. Dafür haben wir wirklich alles umstrukturiert und umgekrempelt. Sind noch mitten dabei. Und haben alles auf Handlese umgestellt. Von 25 Rebsorten runter auf sechs. Mich auf das fokussiert, was Sinn macht. Was ich gerne trinke, was ich gerne produzieren möchte. Und das macht Spaß!

War es schwierig, sich als junge Winzerin zu positionieren?
Klar war es manchmal schwierig, sich gerade als junge Frau zu positionieren. Ich meine, ich war 23 und bin in das Berufsleben eingestiegen. Und wenn du dann irgendwo mit Kunden am Tisch sitzt, das könnten alles meine Väter sein, Mitte 50, Anfang 60, die sich denken: „Was macht dieses kleine blonde Mädchen hier?“. Und natürlich war das am Anfang schon so, dass du super selbstbewusst auftreten musst. Da ich aber wusste, was wir uns zuhause für eine Arbeit machen und ich wusste, dass meine Weine auch einfach für sich sprechen, bin ich glaube ich sehr selbstbewusst aufgetreten und habe das nach außen transportiert, was meine Weine auch, ohne zu beschreiben, aussagen.

Wurden dir von Außenstehenden Vorurteile entgegengebracht? Gab es Menschen, die dir den Job und deine Entscheidung, in den Betrieb einzusteigen, nicht zugetraut haben?
Klar, man kennt ja noch das Bild von früher. Die Generation meines Vaters hat immer gesagt: „Zwei Mädels, wer macht da den Betrieb weiter?“. Und dass die jüngste dann eingestiegen ist, das gab es früher nicht. Von wegen: „Wie will ein Mädel ganz alleine den Betrieb schmeißen?“. Weil das eben ein Allround-Job ist. Du musst mit Maschinen klarkommen. Du musst Traktor fahren. Das ist rein körperlich, auch im Keller, ein super anstrengender Job. Und natürlich haben mich die ein oder anderen belächelt, so „als ob das kleine Mädel jetzt hier loslegen will“. Und Papa hat auch am Anfang immer gesagt: „Ruf mich doch. Ich helf’ dir!“. Aber nein, da muss man sich seine Tipps und Tricks aneignen. Und dann funktioniert das auch. Das ist am Anfang schon sehr harte Arbeit, aber da gewöhnt man sich recht schnell dran. Da das, was du machst super motivierend ist, fällt dir das am Ende gar nicht mehr auf.

Gab es da die Angst von deinen Eltern, dass niemand den Betrieb weiterführen könnte?
Das wurde bei uns nie thematisiert. Also da haben meine Eltern auch nie gesagt, dass eine von uns beiden den Betrieb weiterführen müsste. Und das ist auch enorm wichtig. Wenn du in den Beruf gedrängt wirst, wenn da Druck aufgebaut wird, dann kannst du das nicht machen. Du lebst den Job und dafür brauchst du auch die nötige Energie. Das kannst du nur machen, wenn du das auch wirklich willst.
Meine Schwester und ich, wir waren beide Anfang 20 und es ist nie der Satz gefallen von meinen Eltern: „Wie sieht’s denn eigentlich aus? Wir gehen jetzt ja auch auf einen gewisses Alter zu. Was machen wir denn jetzt hier mit dem Weingut? Wir haben uns das aufgebaut“ – nie! Das sage ich auch heute noch zu meinen Eltern, dass das super viel wert war, dass sie uns da nie unter Druck gesetzt haben. Sie haben es einfach laufen lassen. Es fügt sich am Ende schon alles so, wie es sein soll. Und das sehen wir jetzt auch.

Wann kam die Entscheidung, dass du den Betrieb weiterführen möchtest?
Winzerin werden – das war jetzt nicht schon immer mein absoluter Berufswunsch. Die Entscheidung, dass ich wirklich in den Betrieb einsteigen will und dass ich mich selbst verwirklichen will, die war nicht schon immer da. Also das ist wirklich erst mit dem Praktikum gekommen, als ich dieses Weinbusiness von einer ganz anderen Seite kennengelernt habe.
Und dann habe ich gemerkt, dass es auch für Frauen möglich ist von der körperlichen Arbeit her. Dass die ganze Umsetzung einfach machbar ist. Dann habe ich irgendwann gedacht: „Ja geil, es geht ja auch anders. Machen wir! Und hoffentlich zieht die ganze Family mit und wir können es umsetzen.“.
Etwas eigenes mit den Händen zu erschaffen und am Ende in die Flasche füllen, jemandem eingießen und die Leute sagen: „Hä, macht irgendwie Spaß, was du da machst!“ und das war so ein Klick der irgendwann kam.

Gibt es Unterschiede in der Art, wie Männer und Frauen Wein machen? Im An- und Ausbau?
Also ich glaube, es gibt definitiv Unterschiede zwischen der Weinbereitung und des -ausbaus zwischen Männern und Frauen. Es ist definitiv so, dass Frauen sensorisch sehr sehr sensibel sind. Und ich glaube einfach, dass wir so mit ganz ganz viel Feingefühl und Fingerspitzengefühl an die ganze Sache rangehen. Ich kann jetzt auch nur von mir sprechen. Ich bin super penibel, was die Weinbergsarbeit angeht. Und dann natürlich auch während der Ernte, wo aber auch alle um mich rum die Krise kriegen. Weil ich so sehr schaue, dass alles läuft. Und natürlich auch beim Cuvéetieren am Ende. Wir bauen alles in einzelnen Tanks aus und am Ende entscheide ich 500.000 mal: mache ich das jetzt da rein oder nicht? Nehme ich die Partie oder nicht? Und ich glaube, dass die Frauen da super sensibel sind.

Gibt es Clichées in der Weinwelt, was die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen angeht?
Gibt es mit Sicherheit, dass die Frauen so für die Vermarktung und Büro & Co da sind. Und draußen die Weinbergsarbeit und den Keller – das machen die Männer. Und ich glaube, dieses Umdenken, das findet statt. Zumindest, was ich so mitbekommen habe. Das hat so vor fünf Jahren angefangen, dass diese Offenheit gegenüber Frauen da ist. Ich glaube, da ist ein extremer Wandel da und das ist auch gut so.

Wie sind deine Pläne für die Zukunft?
Meine Pläne für die Zukunft sind eigentlich völlig „feel free“. Wenn mir irgendwas in den Kopf kommt und ich habe da Bock drauf, dann setzen wir das irgendwie um. Aber es ist schon so mein Grundmotto: Weniger ist mehr. Ich will mich da jetzt nicht verzetteln. Sondern ich mache das, worauf ich Bock habe, was irgendwie passt. Und woran ich mega viel Spaß habe. Deshalb gibt es keine krassen Pläne. Ich lass es einfach laufen. Die nötige Entspanntheit muss dabei sein. Dann ist alles gut.

Hast du Erfahrungen gemacht, die nur Frauen in deiner Position machen würden?
Da habe ich wirklich noch nie Erfahrungen machen müssen, bei denen ich dachte: „Okay, krass. Das hast du jetzt wirklich nur einstecken müssen als Frau!“. Ist mir glücklicherweise noch nie passiert.

Was sind für dich die wichtigsten Punkte bei der Weinproduktion?
Ich habe schon einen genauen Plan im Kopf, was für Weine ich produzieren möchte. Wo ich am Ende hin will, wie der Wein in der Flasche schmecken soll. Und der Grundstein dafür liegt draußen im Weinberg. Und das war am Anfang auch so witzig. Meine Eltern haben gedacht: „Was macht die denn da?“. So penibel, diese extra Arbeiten. Wieder zurück zum Handwerk. Keine Maschine kann das machen, was du mit deinen Händen machst. Das ist ein riesiger Unterschied. Auch die Arbeit im Sommer, die ganzen Entblätterungen. Dass du deinen Weinberg draußen ins Gleichgewicht bringst.
Und dann natürlich das Hauptding: die Ernte. Da bin ich immer so anstrengend. Weil wir Weinberge verschieden lesen. Wir lesen erst den oberen Teil, dann den unteren Teil. Bauen das auch unterschiedlich aus, weil ich das Potential bis aufs Letzte rausholen will. Und da hat mein Papa auch gesagt, dass machen wir jetzt doch nicht wirklich. Und ich habe aber gesagt: „Doch, das machen wir!“. Da braucht man Konsequenz und Selbstbewusstsein, Entscheidungen zu treffen. Du triffst jeden Tag Entscheidungen und du hast super viele Leute um dich rumrennen und musst einfach sagen: „Nein, während der Ernte bin ich diejenige, die ansagt: Wir machen das so und so und so.“.
Und dann geht es weiter mit der Weinbereitung. Wir bauen jeden kleinen einzelnen Tank anders aus und am Ende habe ich 35 verschiedene Tanks stehen und man ist ganz ganz penibel, was wo rein kommt. Und da muss ich mir ganz viel Zeit lassen.
Aber ich würde niemals etwas abfüllen, was meine Eltern vorher nicht probiert haben. Ich stelle meinen Eltern alles hin, weil die eine jahrelange Erfahrung haben. Und wenn die mal sagen würden: „Okay, Jule, was hast du denn da gemacht? Das geht auf gar keinen Fall.“. Dann würde ich alles nochmal umschmeißen und nochmal neu anfangen.

Das heißt, die Zusammenarbeit zwischen dir und deinem Papa ist gut. Ihr vertraut euch und arbeitet zusammen?
Genau. Da ich es komplett umgekrempelt habe, kann Papa mir im Keller gar nicht so wirklich helfen. Weil er es so gar nicht kennt. Aber die wichtigsten Sachen: der Geschmack und das, was am Ende rauskommt – da würde ich niemals eine Entscheidung treffen, ohne dass meine Family da drübergeguckt oder probiert hat. Das ist auch für mich super wichtig.

Du hast jetzt eine sehr schnelle Entwicklung gemacht. Glaubst du, die Tatsache, dass du eine junge Frau bist, war da auch manchmal ein Katalysator?
Ich finde das ganz schwierig, da zu differenzieren. Es kommt auf den Menschen an. Auf die Charakterzüge, auf die Ausstrahlung, auf die Ziele. Ich weiß nicht, ob man das in Bezug auf Mann oder Frau pauschalisieren kann. Am Ende entscheide ich alles aus dem Bauch heraus. Und lege einfach los. Ich mache mir da gar keine Gedanken drüber, weil ich auch noch nie eine negative Erfahrung gemacht habe. Und klar ist es am Anfang so, dass die Menschen überrascht sind, dass da einfach so ein 23-jähriges Mädel sitzt und so ein bisschen die Welt erklärt oder irgendwie ihre eigene Welt erklärt, was auch immer die dann ist. Aber ich glaube, klar ist man da am Anfang ein bisschen zurückhaltend oder skeptisch Jobeinsteigern gegenüber. Aber das ist doch auch positiv, weil man so dieses Freie, diese Lockerheit, diese Entspanntheit und nichts Verkorkstes oder Verkrampftes mitbringt.

Vielen Dank für den spannenden Tag bei dir im Weingut! Wenn ihr jetzt neugierig sein solltet und wissen möchtet, wie die Juwelen von Juliane schmecken, schaut in unserem Weinregal vorbei.