Ann-Kathrin Müller hat gerade geheiratet und heißt jetzt Krebs. Jetzt stimmt zwar der Titel nicht mehr, aber welch Grund zur Freude! Ann-Kathrin Krebs hat eines Tages festgestellt, dass sie nicht in dem Bereich arbeitet, der sie am meisten fasziniert. Und dann wurde gehandelt. Jetzt ist es ihr Job, vom Wein zu schwärmen. Und ihr dabei zuzuhören, ist eine wahre Freude. So klingt es, wenn eine Frau genau den Beruf gefunden hat, der sie erfüllt. Über Schießpulver, das Arbeiten mit Menschen, die unter Alkoholeinfluss stehen, den weniger philosophischen Charakter von Korn und die romantischen Geschichten, die das Leben schreibt.

Wer bist du?
Mein Name ist Ann-Kathrin Krebs, ich bin mittlerweile 34 Jahre alt. Komme ursprünglich aus einem Dorf bei Stade in Niedersachen und wohne jetzt in Freinsheim.

Wie ist deine Verbindung zum Wein?
Ganz intensiv. Ich arbeite im Weingut meines Partners. Bin da völlig involviert, habe jeden Tag damit zu tun. Und liebe es jeden Tag, den Umgang mit Wein.
Meine Verbindung ist Emotionalität. Weil ich glaube, man kann über Wein ganz viel von den Menschen erfahren und aus ihnen rausbekommen und auf ganz anderer Ebene über’s Leben philosophieren. Das macht irgendwie nur der Wein. Das habe ich in Norddeutschland bei Korn und Bier nicht so erlebt.

Welche Rebsorte ist deine liebste?
Meine Lieblingsrebsorte, das hat sich im Laufe der Zeit etwas gewandelt, weil ich mit ganz schlimmem Spätburgunder groß geworden bin und habe dann Gott sei dank irgendwann gelernt, dass es ganz, ganz andere, ganz tolle Stile gibt. Und ich bin da absolut im Burgund. Das ist wirklich was ganz tolles. Und auch die deutschen Spätburgunder sind inzwischen traumhaft. Spätburgunder könnte ich immer trinken. Ganz, ganz lecker und toll!

Mit welchen drei Wörtern würdest du deinen Lieblingswein beschreiben?
Mein Lieblingswein schmeckt nach Schießpulver, stinkt und ist ein Spätburgunder.

Du bist nicht in die Weinwelt hineingeboren. Wie kommt es, dass du jetzt Teil von ihr bist?
Es ist ja noch erstaunlicher aufgrund der Tatsache, dass ich Norddeutsche bin. Das liegt ja dann auch nicht so nahe. Aber ich hatte schon sehr früh Weinkontakte – familienbedingt. Meine Großmutter ist aus dem Schwäbischen, aus einem Weinort, Gundelsheim am Neckar. Da waren wir oft mit der Familie und haben Spaziergänge durch die Weinberge gemacht – das war wundervoll! Und dann hat es mich irgendwann gepackt. Ich habe viel gelesen, Messen, Seminare besucht. Also habe mich hobbymäßig sehr dem Wein verschrieben. Und habe dann irgendwann Schritt für Schritt Passion zur Profession gemacht. Und bin jetzt heute im Weingut Krebs. Das hätte nie jemand für möglich gehalten.

Und gab es einen bestimmten Moment, in dem du dachtest: „Okay, der Wein und ich, wir gehören einfach zusammen!“?
Der Moment, in dem ich wusste, dass der Wein und ich zusammengehören, war 2012 auf einer Party in Braunschweig. Ich stehe in der Küche mit ein paar Leuten zusammen und es geht um das Thema Wein und irgendwann halte ich einen Monolog und alle hören ganz angetan zu. Und dann sagt einer zu mir: „Glaubst du eigentlich, dass du den richtigen Job hast? Dass du in der richtigen Branche bist?“. Gut, damals war ich Trainerin für Volkswagen-IT-Software. Damals wusste ich schon, dass es nicht für ewig sein wird. Das war aber dann der Anlass, zu sagen: Vielleicht doch die Weinbranche und dann ging das so langsam los.

Wie ist dein weiterer Weg in der Weinbranche abgelaufen?
Ich habe mich dann als Quereinsteigerin absolut blauäugig, initiativ beim Weinkeller der BASF beworben und die waren dann so bekloppt und haben mich echt genommen. Ohne dass ich ja irgendwas an Papieren hatte. Kein Geisenheim, keine Winzerausbildung, keine Gastronomie. Und das waren wirklich zwei tolle Jahre, in denen man viel gelernt hat. Offensichtlich konnte ich anderes einbringen, was die gut fanden. Und dann ging es immer weiter. In der Zeit habe ich dann auch Jürgen kennengelernt und dann war irgendwann klar, die brauchen Unterstützung im Weingut und jetzt bin ich seit knapp über einem Jahr im Weingut Krebs.

Wie sieht ein klassischer Tag als Mitglied des Team Krebs aus?
Ein klassischer Tag im Weingut Krebs, den gibt es gar nicht. Jeder Tag ist anders. Das ergibt sich aufgrund der Aufgaben, die anstehen. Im besten Fall fange ich mit E-Mails an und gucke, was irgendwie anliegt, arbeite Bestellungen ab und beantworte Fragen, mache Speditionsaufträge. Dann ist ab 10 Uhr Kundenverkehr. Ich nehme Telefonate an, mache den Weinverkauf. Dann fällt den Männern plötzlich ein, sie brauchen etwas für den Kellereibedarf und man fährt schnell los oder fährt Wein aus. Es wiederholt sich alles immer wieder, aber man weiß nie, wann. Es ist jeden Tag anders und deshalb auch so schön abwechslungsreich.

Hast du Erfahrungen gemacht, die nur Frauen in deiner Position machen würden?
In meiner Position habe ich keine Erfahrungen gemacht, die nur Frauen machen würden, weil ich vielleicht nicht den „klassischen Männerberuf“ in der Weinbranche ausübe. Wäre ich jetzt im Keller verantwortlich oder würde als Mädel den Außenbetrieb bestreiten, dann wäre das vielleicht etwas anderes. Aber ich mache Büro, Verkauf – da ist mir sowas noch nicht entgegen gekommen. Da erwartet auch keiner handwerkliches Geschick. Da habe ich jetzt keine Erfahrungen gemacht.
Ich meine, das ist ja eine Branche, in der Menschen auch unter Umständen unter Alkoholeinfluss stehen, je nach Festivität , trallala. Dass man da mal irgendwie von der Seite abgebaggert wird, ich glaube, das ist normal. Das passiert aber auch einem Mann in der Probierstube beim Weinverkauf. Deswegen kein klassisches Frauenthema.

Und inwieweit wären die Erwartungen an dich und deine Aufgaben andere, wärst du ein Mann?
Dann sollte ich im besten Fall wahrscheinlich ganz toll Gabelstapler und Trecker fahren können. Kann ich eher semigut, war aber auch kein Anforderungskriterium. Ansonsten bin ich schon Fan davon, dass man sich ein bisschen von den klassischen Männer- und Frauenaufgaben verabschiedet. Das einzige, wo wir im Zweifel benachteiligt sind, ist vielleicht die Anatomie, dass man da unter Umständen vielleicht noch ein bisschen unterlegen ist, wenn es auf Kraft geht. Jetzt ist die landwirtschaftliche Branche natürlich immer noch ein bisschen so geprägt, dass den Männern schon etwas Handwerkliches zugetraut wird, es wird erwartet oder sehr stark erwünscht. Bei den Frauen ist man dann vielleicht eher überrascht und dann fällt dann hoffentlich eher ein Lob als alles andere.

Haben sich deine Erwartungen als Quereinsteigerin erfüllt?
Ich glaube, dadurch dass ich schon immer sehr nah am Menschen war. Also zu dem Zeitpunkt, als ich das ganze hobbymäßig betrieben habe und ich versucht habe, mich mit den Menschen zu unterhalten, glaube ich, dass meine Erwartungen an die Branche sehr realistisch waren. Es gab keinen Tag, an dem ich dachte: „Mein Gott, das habe ich mir ganz anders vorgestellt“. Oder „Warum hast du das eigentlich gemacht?“ – also das in Frage, in Zweifel gestellt. Das überhaupt nicht. Deshalb bin ich jeden Tag wieder froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Weil ich auch eine Komfortzone wirklich verlassen habe mit Volkswagen. Das auf der einen Seite, wo viele gesagt haben, das sei aber mutig, das würden sie jetzt nicht machen. Ich hab’s aber gemacht: Ich habe Hobby zum Beruf gemacht. Und einen Traumberuf erwischt. Also alles super.

Würdest du sagen, du fühlst dich voll und ganz in der Weinwelt angekommen?
Ja, das macht vor allem der Anschluss über die Familie. Ich könnte jetzt auch als Angestellte in einer Vinothek arbeiten. Aber das wäre etwas ganz anderes. Das Herz hängt im besten Fall noch ein bisschen mehr daran. Ich bin da wirklich motiviert und will ja auch eine tolle Außenwirkung und mir macht das wirklich Spaß, die Leute zum Wein zu bringen und sie zu begeistern. Wirklich etwas für das Familienweingut zu geben.

Wohin führst du uns heute?
Wir fahren in die Lage Herxheimer Himmelreich. Dort wachsen Riesling und Spätburgunder. Die Lage ist sehr kalksteingeprägt. Herxheim ist ein Nachbarort von Freinsheim [Anmerkung Geile Weine: Hier sitzt das Weingut Krebs]. Die Lage ist mit einem sehr, sehr schönen Blick über die Rheinebene verbunden. Man kann auf Freinsheim gucken, man kann bei guter Sicht bis zum Odenwald schauen. Meine Verbindung zu der Lage spiegelt so ein bisschen das Kennenlernen mit Jürgen wieder. Als wir dann viel hin und her geschrieben haben, ging es immer wieder um die Lage Himmelreich. Kriegt das Weingut Krebs etwas von der Lage oder nicht? Und er war sehr motiviert und ich habe immer mitgefiebert. Und dann wurde es was und die erste Flasche, die vom Band lief, die gebührte mir. Und ganz witzig ist auch, dass es schon einmal eine Lage Himmelreich in meinem Leben gab, mit der ich ganz früh in Kontakt kam. Das ist das Gundelsheimer Himmelreich. Also dass ich irgendwann mal zwei so lieb gewinnen würde, hätte ich auch nicht gedacht.

Vielen Dank, dass wir dich in Freinsheim besuchen durften, Ann-Kathrin. HIER könnt ihr die Weine vom Weingut Krebs probieren.