Klimawandel geht leider auch am Weinbau nicht spurlos vorbei. Die “paar” Grad wärmer, von denen immer alle reden, werden auf lange Sicht weltweit den kompletten Weinbau verändern. Schon jetzt spüren wir hier die Folgen:

Die Klimaerwärmung sorgt dafür, dass in Deutschland plötzlich Rebsorten angebaut werden können, die sonst nur in Ländern wie Spanien oder Italien vorkommen, wie z.B. Albariño oder Cabernet Sauvignon. Für uns als Rheinland-Pfälzer kaum vorstellbar, wären im Jahr 2018 sogar in Potsdam Trauben reif geworden. Auf lange Sicht gesehen wird sich der Weinbau immer mehr im Norden, in Ländern die noch kühler sind als Deutschland, entwickeln.

Doch steigen durch den Klimawandel nicht nur die Temperaturen an, sondern verschiebt sich die ganze Wetterlage hin zu großen Wetterschwankungen.

Fangen wir an mit Spätfrost. Wenn es schon warm ist und die Reben anfangen auszutreiben und Knospen zu bilden ist der Spätfrost ein hohes Risiko für jeden Winzer. Er lässt die Knospen einfrieren und es können keine Routen wachsen, und somit auch keine Trauben. Ihr habt vielleicht schon mal romantische Kerzen im Weinberg stehen gesehen? Das mag zwar schön aussehen, ist aber der verzweifelte Versuch der Winzer, die Temperatur im Weinberg zu erhöhen, um die Pflanzen vor Erfrierung zu schützen, also leider bitterer Ernst.

Auch Wetterextreme schaden dem Weinbau. Beispielsweise bekommen Trauben bei Temperaturen von 40°C Sonnenbrand, genauso wie wir. Die Beerenhaut wird verletzt und die Trauben trocknen ein und geben später einen bitteren Geschmack ab, wenn man sie nicht aussortiert.

Des Weiteren gibt es nur noch seltenst mal einen ganzen verregneten Tag im Sommer. Die Regenschauer treten oft sehr geballt auf, d.h. sehr stark in sehr kurzer Zeit. Das hat zur Folge, dass der Boden das Wasser gar nicht so schnell aufsaugen kann. Die Rebe bekommt deshalb kaum noch etwas vom Wasser ab und beim Ablaufen richtet das Regenwasser gleichzeitig noch Flurschaden (Erde wird weggespült) an.

Auf was müssen sich Winzer nun also einstellen, wenn das so weitergeht? Weinberge müssen auch in unseren Breitengraden zukünftig bewässert werden, was zuvor nicht nötig war. Unwetterversicherungen (die verdammt teuer sind!) sollten abgeschlossen werden, denn es besteht das Risiko, dass durch ein Unwetter die ganze Jahresernte zerstört wird (gerade letztens gab es in der Pfalz – ja man mag es kaum glauben – einen richtigen Tornado, der einigen unserer lieben Winzerkollegen ziemlich viele Reben umgerissen und entwurzelt hat). Andere Rebsorten müssen angepflanzt werden, was zwar neue Möglichkeiten bietet, aber im Umkehrschluss auch bedeutet, dass es alten Sorten hier irgendwann zu warm wird. Irgendwann sind wir hier nämlich keine “Cool Climate” Zone mehr, weltweit werden sich alle Anbaugebiete erheblich verschieben.

Bleibt also nur zu hoffen, dass die #fridaysforfuture fruchten, sich in der Weltpolitik und an unserem Verhalten etwas ändert und wir das Ding noch umreißen können! Darauf erst mal ein Gläschen Rotwein…