Franzi hat eine Erfahrung gemacht, die nicht viele Frauen machen. Sie war Weinprinzessin an der Nahe. So richtig mit Krone. Sie erzählt uns, warum sie sich für das Amt entschieden hat, was sie erleben durfte und warum sie die Krone nicht gerne getragen hat.

Wer bist du?
Ich bin Franziska Finkenauer. Ich bin 23 Jahre alt und komme von der Nahe aus Bad Kreuznach. Ich studiere jetzt im letzten Semester Weinbau und Oenologie in Geisenheim und war im letzten Jahr Weinprinzessin an der Nahe.

Wie ist deine Verbindung zum Wein?
Meine Verbindung zum Wein wurde schon bei meiner Geburt gelegt. Ich bin Winzerstochter.

Welche ist deine Lieblingsrebsorte?
Meine liebste Rebsorte ist der Riesling, weil ich sehr gerne Weine aller Geschmacksrichtungen trinke. Also ich bin nicht so ein engstirniger Trockentrinker oder Süßtrinker. Ich trinke alle Geschmacksrichtungen gerne und immer mal so vermischt und ich finde, der Riesling ist die einzige Rebsorte, die das so richtig mitmachen kann. Ich finde, viele Rebsorten schmecken nicht so gut, wenn sie süß oder eben trocken sind. Bei uns im Weingut ist es auch so, dass wir über die Hälfte Riesling anbauen. Deshalb ist das auch so ein bisschen in die Wiege gelegt worden.

Wir bei Geile Weine beschreiben unseren Lieblingswein immer mit drei Schlagworten. Wenn du deinen Lieblingswein mit drei Wörtern beschreiben müsstest, welche wären das?
Mein Lieblingswein müsste elegant, frisch und schlank sein.

Wo befinden wir uns gerade?
Wir sind hier heute in unserem Weinkeller. Das ist unsere Schatzkammer, hier werden unsere alten Weine gelagert. Deswegen auch die Spinnweben, damit es authentisch aussieht.

Du hast eine Erfahrung gemacht, die nur wenige junge Frauen machen. Du warst Weinprinzessin. Wie kam es dazu?
Bei Winzerstöchtern ist die am häufigsten gestellte Frage, glaube ich, ob man später mal Weinprinzessin werden möchte. So war das zumindest bei mir. Früher war das schon ein Kindheitstraum. Als ich dann älter wurde, hat sich das ein bisschen verloren. Und ich habe das Amt einfach nicht als etwas Erstrebenswertes für mich angesehen. Als ich dann mein Studium in Geisenheim angefangen habe, bin ich immer mehr in Kontakt mit Mädels gekommen, die das eben schon gemacht haben und irgendwann habe ich dann für mich die Entscheidung gefasst, das später auch mal zu machen.

Was muss man können, um Naheweinmajestät zu werden?
Man sollte auf jeden Fall die Begeisterung für den Wein haben und auch bereit sein, diese über das Amtsjahr hinweg mit anderen zu teilen. Man muss natürlich auch was an Fachwissen vorweisen können. Aber da wird man auch sehr gut von Weinland Nahe geschult, kann an Schulungen teilnehmen und bekommt einiges an Fachwissen mitgeteilt und man sollte sich natürlich sehr, sehr gut in der Region auskennen und die besten Orte für Touristen herausfinden.

Wie sieht so ein Amtsjahr als Naheweinprinzessin aus? Was hast du erlebt?
Man erlebt natürlich hauptsächlich Mitmenschen. Der Wein ist immer das Hauptthema, um den geht’s, aber ich habe sehr viele verschiedene Erfahrungen gemacht. Am besten waren für mich immer die Erfahrungen, die ein bisschen weiter weg vom Heimatort stattgefunden haben.
Am weitesten weg war ich glaube ich in Kiel, also ganz im Norden. Und die Menschen da haben schon ein ganz anderes Verhältnis zum Wein. Und das ist irgendwie schön, so mitzubekommen. Also die stellen Fragen – wenn das hier jemand im Gebiet fragen würde, würde man vielleicht sagen, es wäre eine banale Frage. Aber mit solchen Fragen setzt man sich ansonsten gar nicht so auseinander. Und da entstehen dann immer sehr schöne Gespräche.
In Nordrhein-Westfalen war ich auch einige Male und die Menschen dort sind sehr, sehr fröhlich. Feiern sehr gerne Weinfeste. Und die fahren da schon teilweise Sachen auf. Das habe ich selbst bei uns noch nicht gesehen – unfassbar groß sind die Feste dort. Dort führt man immer gute Gespräche, die man hier im Gebiet nicht so führt, weil die einfach ein ganz anderes Interesse haben, auch an der Weinmajestät als Person und nicht nur als Weinbotschafterin und das ist auch mal ganz schön und abwechslungsreich.

Es gibt keine Weinkönige oder -prinzen. Hast du je hinterfragt, warum sich für das Amt nur Frauen bewerben dürfen? Oder ist das eben einfach Tradition und auch in Ordnung in einer noch immer recht männerbesetzten Weinwelt?
Ja, ich glaube, es hat hauptsächlich mit Tradition zu tun. Deshalb habe ich mir die Frage gar nicht groß gestellt. Weil ich es eben von Kind auf nur so kannte. Häufig stellen mir aber andere Menschen diese Frage. Und ich hatte eigentlich nie so eine richtige Antwort darauf, außer dass es eben in dieser männerbesetzten Welt…, also vor allem früher gab es nur Fachmänner. Es gab keine Fachfrauen. Weshalb ich es eigentlich schon recht fortschrittlich fand, dass früher Frauen überhaupt einen Platz in der Weinwelt hatten durch dieses Amt, was ich eigentlich ganz sympathisch finde, wenn man das mal so rückblickend betrachtet.
Ich finde aber auch, dass dieses Amt von früher noch sehr in die heutige Zeit mitgenommen wird, projiziert wird. Ich habe häufig die Erfahrung gemacht, dass gerade in den Köpfen das alte Bild noch sehr verankert ist. Dass das Amt an sich zwar relativ neu revolutioniert ist, auch die Mädels sind ja alle moderner als früher, aber die Menschen haben das noch so ein bisschen abgespeichert. Und deshalb ist es teilweise schwer, aus diesem Bild auszubrechen. Was immer noch ein Problem ist, ist dass man hinter diesem Bild verschwindet, hinter diesem Bild der Weinmajestät. Man hat nicht so wirklich eine Stimme. Und das ist teilweise ein bisschen schwer.

Wurde dein Fachwissen stets anerkannt oder gab es auch Momente, in denen du auf deine Weiblichkeit reduziert wurdest?
Mein Fachwissen, wenn es gefragt war, wurde stets anerkannt. Weil die Leute haben dann schon mitbekommen, dass ich auch vom Fach komme, Winzerstochter bin und auch in Geisenheim studiere.
Ich würde sagen, ich wurde nicht auf die Weiblichkeit reduziert, sondern auf das Bild mit der Krone auf dem Kopf. Das hat teilweise schon reduziert und deswegen habe ich persönlich die Krone nicht so gerne angezogen. Und habe es auch immer vermieden, wenn ich konnte. Aber eigentlich ist das ja schon der Werbeträger und deshalb gehört es halt einfach dazu. Das wusste ich auch schon vorher. Aber man wird teilweise schon darauf reduziert und es ist schon schwer, dass man dahinter verschwindet. Gerade auf Veranstaltungen, wenn man ein Grußwort hält, ist das dann das einzige, was die Leute hören wollen. Die wollen nicht, dass man irgendwas Kritisches sagt. Selbst wenn es irgendwelche Fakten sind. Die hören das nicht gerne. Auf einmal wird es dann laut und unruhig und sie zeigen nicht so viel Interesse dafür. Das war für mich schwer, weil ich manchmal einfach gerne mehr gesagt hätte als „Schönen Tag und hoch die Tassen!“.

Wie ist es, als Frau in Geisenheim Weinbau zu studieren? Fühlst du dich in der Unterzahl? Wirst du manchmal unterschätzt oder gibt es da gar keine Unterschiede?
Als Frau in Geisenheim ist es heute eigentlich nicht mehr schwer. Früher stelle ich es mir schon schwieriger vor, obwohl es schon seit einigen Jahrzehnten einige Frauen in Geisenheim gab. Wir sind nicht 50/50, aber 30/40% Frauen über die Studiengänge verteilt sind schon dabei. Und der Austausch findet unter allen statt. Da werden keine Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht. Das ist alles sehr ausgeglichen, so zumindest meine Erfahrung.

Gibt es Unterschiede in der Philosophie, wie Männer und Frauen Weine an- und ausbauen?
Ich denke nicht, dass es Unterschiede im Ausbau von Wein gibt, die jetzt vom Mann oder von der Frau abhängen. Ich denke, jeder hat seinen Qualitätsstandard, den er anstrebt, sein Ziel. Und das modelt sich glaube ich ein bisschen an dem Weinmarkt an sich. An Weinen, die man probiert. An Weinen, die man selbst gerne trinkt. Und nicht daran, ob das jetzt eher ein süßer Wein ist, was man ja mit der Frau verbinden könnte oder ein trockener Wein für Männer, sondern jeder macht das, wie es eben selbst am besten zu einem passt. Und was man eben selbst am liebsten hat. Das ist glaube ich eher eine Charakterfrage als eine Geschlechterfrage.
Aber ich habe das jetzt persönlich noch nie so empfunden, dass ich den Wein auf eine weibliche Art ausbaue, sondern einfach: „Wie würde ich gerne Wein trinken? Und wie schmeckt er mir am besten?“. Deshalb ist das einfach eine persönliche Vorliebe, eine Charaktersache. Aber ich würde sagen, das hängt nicht unbedingt mit Mann oder Frau zusammen. Zumindest für mich nicht.

Gibt es da vorherrschende Klischees? Und wie siehst du das?
Ich finde, es gibt schon Klischees. Das beruht auf der Aufgabenverteilung in den Weingütern. Dass die Männer besser Traktor fahren können, dass die Männer Sachen rumschleppen können. Und dass die Frauen eher den Verkauf machen, den Kundenkontakt pflegen. In den meisten Weingütern ist die Aufgabenverteilung so. Aber ich denke, in vielen Weingütern, wo Frauen jetzt am Ruder sind, wo Frauen in Geisenheim studiert haben, eine Ausbildung gemacht haben, tritt das auch immer mehr in den Hintergrund. Immer mehr Frauen bauen auch den Wein aus. Frauen können auch Traktor fahren. Das kann ich bestätigen. Und Männer können auch Wein verkaufen. Deshalb finde ich, diese Klischees, die gibt es zwar, aber sie sind nicht unbedingt immer gerechtfertigt.
Ich finde, wenn man den gleichen Beruf hat, dann behandeln mich alle gleich und ich unterhalte mich auch auf der gleichen Ebene.

Du bist die nächste Generation im Weingut. Wie findet die Zusammenarbeit und der Generationswechsel statt?
Der Generationswechsel findet peu a peu statt. Also ich habe hier noch keine Entscheidungsgewalt. Wir machen das in beiderseitigem Einvernehmen. Wir beraten uns gegenseitig. Ich bringe meine Einflüsse ein, mein Vater seine und wir entwickeln das gemeinsam weiter. Das war mir auch wichtig. Ich wollte nicht auf einmal meine Weinlinie rausbringen, was ja viele machen. Sondern ich wollte mich lieber zuhause einbringen und das, was wir haben, weiterentwickeln, anstatt etwas neues aufzubauen.

Und wenn du heute eine Veränderung herbeiführen könntest, welche wäre das?
Wenn ich eine Sache verändern dürfte, würde ich mehr in die ökologische Richtung gehen. Wir haben zwar zusammen schon was verändert. Wir haben uns schon weiterentwickelt. Aber wir sind noch konventionell wirtschaftend und ich würde schon gerne in die ökologisch wirtschaftende Sparte gehen.

War das von Anfang an eine Option, in den Betrieb einzusteigen? Gab es da Erwartungen, dass du oder deine Schwester das Weingut irgendwann übernehmen sollten?
Meine Eltern haben das nicht von uns erwartet, dass einer von uns das Weingut weiterführt. Sie haben immer gesagt: „Ihr könnt das machen, wenn ihr möchtet!“. Ich habe bisher als einzige die Entscheidung getroffen, meine Schwester ist noch nicht so weit. Die macht noch Abitur. Aber ich wusste immer, dass ich es machen kann. Dass meine Eltern mir das ermöglichen würden. Aber sie haben mir keinen Druck gemacht. Und das war mir auch wichtig. Weil damit bin ich auch überhaupt nicht klar gekommen. Und ich wollte es auch nicht machen, bis ich Abitur hatte. Dann habe ich gedacht, ich muss meinen eigenen Weg in die Welt finden. Und das funktioniert nicht so über Geburt, sondern eher über den eigenen Willen. Das war mir auch wichtig. Ich hätte mir auch vorstellen können, andere Sachen zu studieren, aber ich habe dann irgendwie eine Tür für mich gefunden und seitdem habe ich mich dazu entschlossen. Und verfolge das noch weiter.

Wurde dir das als Tochter direkt zugetraut? Oder gab es da auch Stimmen, die gesagt haben: „Oh, es gibt keinen Sohn, jetzt muss es die Tochter machen. Die wird bestimmt eher mal jemanden einstellen als Kellermeister.“ oder trauen dir das alle zu?
Meine Eltern trauen mir das schon zu, dass ich den Betrieb später leiten könnte. Seit ich klein bin, wurde ich einbezogen. Wir standen immer im Austausch. Alles, was ich lerne, kann ich mir hier erklären lassen, zeigen lassen. Ich weiß nicht, wie es in der normalen Arbeitswelt ist, wie Frauen da eingestellt werden. Als Kellermeister – als Außenbetriebsleiter wahrscheinlich eher nicht. Aber ich hoffe, dass man da einen Weg finden könnte, außerhalb des eigenen Weinguts in der Weinwelt zu bestehen. Ich würde mir das schon zutrauen.
Ich denke, dass viele schon, sobald Söhne im Betrieb sind, davon ausgehen, dass sie den Betrieb weiterführen werden. Bei Töchtern ist das irgendwie kein Thema. Die könnten ja auch was anderes machen. Das ist auch eins der Klischees. Auch viele Söhne entscheiden sich für etwas anderes. Nicht automatisch jeder Mann übernimmt den Betrieb. Und bei Frauen ist das Kinder-Kriegen, die Familie auch ein Faktor, der noch mit reinspielt. Dass man vielleicht auch einen Partner braucht, der da mit an einem Strang zieht. Und das stelle ich mir auch schwieriger vor. Aber bei mir war das nicht der Fall, dass Leute von außerhalb mir das nicht zugetraut haben und dachten, der Betrieb geht nicht weiter, weil es jetzt „nur“ zwei Töchter gab. Aber das haben wir jetzt ja erstmal abgewendet. Also es wird weitergehen.

Danke Franzi!

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